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Der politische Lackmustest des digitalen Euro: Europäisches Parlament stimmt über Unterstützung für das digitale Bargeld der EZB ab

Das Europäische Parlament stimmt über die Unterstützung des digitalen Euro ab. Wir analysieren die politische Bedeutung, den EZB-Zeitplan für 2029 und was 'digitales Bargeld' für die Privatsphäre bedeutet.
Der politische Lackmustest des digitalen Euro: Europäisches Parlament stimmt über Unterstützung für das digitale Bargeld der EZB ab

Der Weg zu einer souveränen europäischen digitalen Währung führt heute durch die politische Arena. Das Europäische Parlament steht kurz davor, über einen wichtigen Änderungsantrag abzustimmen, der die Unterstützung für das Projekt des digitalen Euro der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Ausdruck bringt. Obwohl die Abstimmung Teil eines Jahresberichts über die Arbeit der EZB ist und keine direkte Gesetzgebungsgewalt besitzt, wird ihr Ergebnis als entscheidender öffentlicher Gradmesser für die politische Unterstützung – oder den Widerstand – der EU-Gesetzgeber für das dienen, was die EZB als die digitale Form von Bargeld betrachtet.

Achtundvierzig Mitglieder des Europäischen Parlaments (MdEPs) setzten sich dafür ein, die befürwortende Passage aufzunehmen. Das Ergebnis dieser nicht bindenden Maßnahme wird ein wichtiges politisches Barometer darstellen und die Stimmung in Brüssel signalisieren, während der Block auf eine entscheidende Gesetzgebungsperiode zusteuert, die die Zukunft des Projekts bestimmen wird.

Der politische Lackmustest des Parlaments

Die heutige Verfahrensabstimmung über den Jahresbericht der EZB ist lediglich ein frühes Signal, hat jedoch im breiteren politischen Narrativ erhebliches Gewicht. Das Bestreben der EZB nach einer digitalen Zentralbankwährung (CBDC) stößt im gesamten politischen Spektrum auf unterschiedliche Begeisterung. Befürworter preisen die strategische Autonomie, während Kritiker Alarm wegen staatlicher Überwachung und Marktstörungen schlagen.

Die Unterstützung für den digitalen Euro konzentriert sich oft auf liberale und Mitte-Links-Gruppen, die die Position der EZB teilen, dass die Währung entscheidend ist, um die monetäre Souveränität zu bewahren und die Abhängigkeit des Blocks von außereuropäischen Zahlungsabwicklern wie Visa und Mastercard zu verringern. Umgekehrt hat lauter Widerstand, insbesondere von rechtsgerichteten Fraktionen, den Mehrwert für den Durchschnittsbürger in Frage gestellt und legt nahe, dass der digitale Euro ein unnötiges "politisches Prestigeobjekt" ist, das mit bestehenden Lösungen des privaten Sektors konkurriert.

Der eigentliche legislative Kampf ist für die erste Hälfte des Jahres 2026 angesetzt, wenn das Parlament voraussichtlich über die formelle Verordnung zur Regelung des digitalen Euro abstimmen wird. Das heutige Ergebnis wird der EZB einen klaren Hinweis darauf geben, wie viel Arbeit noch erforderlich ist, um die notwendige Mehrheit für diese entscheidende bevorstehende Entscheidung zu sichern.

Definition des digitalen Euro: Eine elektronische Form von Bargeld

Der digitale Euro ist als elektronisches Gegenstück zu physischen Banknoten und Münzen konzipiert. Er würde direkt von der EZB ausgegeben werden und die Haftung der Zentralbank tragen, was seinen garantierten Wert und seine Sicherheit gewährleistet. Er ist ausdrücklich dazu bestimmt, bestehende Zahlungsformen zu ergänzen, nicht sie zu ersetzen.

Zu den Hauptmerkmalen, die den digitalen Euro von privatem Geschäftsbankengeld und Kryptowährungen unterscheiden, gehören:

  • Universelle Akzeptanz: Er würde im gesamten Euroraum akzeptiert und zugänglich sein und eine derzeit fehlende europaweite Lösung bieten.
  • Kostenlos: Die grundlegende Nutzung, wie zum Beispiel das Tätigen von Zahlungen, wäre für jeden im Euroraum kostenlos.
  • Offline-Fähigkeit: Benutzer könnten Zahlungen ohne Internetverbindung tätigen, eine Funktion, die die Ausfallsicherheit und Inklusion verbessert.
  • Sicherheit und Stabilität: Im Gegensatz zu volatilen Krypto-Assets würde der digitale Euro von der EZB gestützt, was ihn zu einer stabilen, risikofreien öffentlichen Währung macht.

Das Paradoxon der Privatsphäre: Bargeldähnliche Anonymität versus AML

Eines der umstrittensten Themen rund um den digitalen Euro ist die Privatsphäre. Die EZB hat einen "Privacy-by-Design"-Ansatz betont und verspricht ein beispielloses Maß an Datenschutz im Vergleich zu bestehenden digitalen Zahlungsdiensten.

Entscheidend ist, dass der digitale Euro darauf ausgelegt ist, ein bargeldähnliches Maß an Privatsphäre für Offline-Zahlungen zu bieten. Bei diesen Nahfeld-Transaktionen wären die persönlichen Daten nur dem Zahler und dem Empfänger bekannt, wobei keine Daten mit dem Eurosystem oder anderen Dienstleistern geteilt würden.

Diese bargeldähnliche Anonymität ist jedoch nicht absolut für alle Transaktionen:

  • Online-Zahlungen: Obwohl das Eurosystem Pseudonymisierung und Verschlüsselung verwenden würde, um die direkte Verknüpfung von Transaktionen mit bestimmten Benutzern zu verhindern, erfolgt die Verteilung weiterhin über Vermittler (Zahlungsdienstleister/PSPs). Diese PSPs würden die notwendigen Prüfungen zur Bekämpfung der Geldwäsche (AML) und Terrorismusfinanzierung (CFT) während des Ein- und Auszahlungsprozesses durchführen, eine Standardanforderung für alle nicht-anonymen digitalen Transaktionen.

Die strategische Begründung: Souveränität und Autonomie

Über den Verbraucherkomfort hinaus ist der Hauptantrieb für den digitalen Euro geopolitischer und strategischer Natur. Derzeit wird ein Großteil – fast 70 % – der karteninitiierten Transaktionen in Europa von außereuropäischen Unternehmen abgewickelt, was eine potenzielle strategische Schwachstelle darstellt.

Durch die Einrichtung eines eigenen digitalen Zahlungssystems strebt die EU Folgendes an:

  1. Reduzierung der externen Abhängigkeit: Minderung des Risikos, dass Drittländer Zahlungsbeschränkungen oder Überwachung europäischer Transaktionen verhängen.
  2. Förderung des Wettbewerbs: Einführung eines robusten, europaweiten Konkurrenten zu den dominanten globalen Kartensystemen.
  3. Gewährleistung der Inklusion: Sicherstellung, dass alle Bürger und Unternehmen Zugang zu risikofreiem Zentralbankgeld haben, auch wenn die Bargeldnutzung zurückgeht.

Praktische Erkenntnisse: Was als Nächstes passiert

Die unmittelbare Zukunft hängt von der politischen Abstimmung ab, während die technische Arbeit der EZB parallel rasch voranschreitet. Die Zentralbank hat ihre Vorbereitungsphase im Oktober 2025 abgeschlossen und befindet sich nun in der nächsten Phase des Aufbaus technischer Kapazitäten.

Wenn das Europäische Parlament und der Rat die notwendige Gesetzgebung im Laufe des Jahres 2026 verabschieden, wird sich der Zeitplan des Projekts beschleunigen:

Stufe Geschätzter Zeitpunkt (Vorbehaltlich der Gesetzgebung 2026) Wichtige Maßnahme
Pilotphase Mitte 2027 Testen der technischen Kapazität, der Benutzererfahrung und der Kernfunktionalitäten.
Bereitschaft zur Ausgabe Im Laufe von 2029 Das Eurosystem strebt an, technisch bereit für eine mögliche erste Ausgabe zu sein.
Endgültige Entscheidung Nach der Gesetzgebung 2026 Der EZB-Rat wird die endgültige Entscheidung über die Ausgabe erst treffen, nachdem die EU-Verordnung vollständig verabschiedet wurde.

Für die Bürger ist die zentrale Erkenntnis aus dem aktuellen Entwurf der EZB das Versprechen einer universell akzeptierten, kostenlosen und datenschutzorientierten digitalen Option, die auch ohne Konnektivität funktioniert. Für die Gesetzgeber wird das Ergebnis der heutigen Abstimmung – auch wenn es symbolisch ist – die Dynamik hinter dem Projekt signalisieren und die Bühne für die entscheidenden Gesetzesdebatten später in diesem Jahr bereiten, die den Zeitplan für die Ausgabe 2029 festigen könnten.

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